PSG Lyss F1 vs. SG Visp-Visperterminen: Drei blaue Augen

21.09.2024

Matchbericht

Erinnern Sie sich an die jährlichen Klassenfotos? Alle mit geflochtenen Haaren, Sonntagspullovern und den schönsten „Spängeli u Chetteli“? Die meisten konnten diesen schönen Tag in der neunten Klasse begraben. In fast jedem Verein darf man diese Tradition aber weiterleben. Nur nennen wir diese Veranstaltungen nicht Klassen- sondern Teamfoto. Und auch kreuzen wir nicht in unseren schönsten Röckli und Hemli auf, sondern in den schlichten blauen Heimspieldress. So verabredeten wir uns zwei Stunden vor unserem Spiel gegen Visp um „mit einem sturren Lächeln“ in die Kamera zu blicken. Das Drapieren der Spielerinnen und Trainer wurde dabei mit akribischer, besser gesagt mit avidischer Sorgfalt vorgenommen. Ein Wunder wurde dabei kein Massstab, Geodreieck oder etwa Zirkel verwendet. Als man dieses Kunstwerk im Kasten hatte, ging es weiter zu den Porträts: ein seriöses und eines „in Action“. Bei den seriösen durften alle ihr normales Lächeln zeigen, die Hände mussten aber korrekt wie im Militär hinter dem Rücken gekreuzt werden. „In Action“ wiederum bedeutet so viel wie dezent verkrampft und etwas beschämt den Ball entweder in die Kamera zu halten oder ihn „ganz lässig“ neben sich aufzuwerfen. Manch eine hat sich dabei gewünscht, sich eine andere Sportart wie Skifahren, Fechten oder BMX ausgesucht zu haben, um für diese Fotos in Vollmontur aufkreuzen zu dürfen.

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Falls Sie jetzt „gwunderig“ auf diese Bilder geworden sind, können Sie sich diese schon sehr bald auf dieser Homepage anschauen.

Um uns nach diesem Lieblingstermin vieler Spielerinnen etwas aufzulockern, ging es auf die gewohnte Waldrunde mit anschliessendem „Cherli“ um die Grienhalle. Nach einer kurzen Matchansprache konnte auch schon das Einlaufen mit Aline beginnen. Ohne weitere Vorkommnisse wurde der normale Ritus des Einpassens, Goalischiessen mit anschliessendem Positionenschiessen und zuletzt den Gegenstössen absolviert. Schon sehr bald wurde angepfiffen und uns gelang etwas Aussergewöhnliches: einen Blitzstart. Mit einfachem und schnellem Handball überliefen wir die Visperinnen regelrecht. Schon nach 20 Minuten stand es 17:9. Bei den Gegnerinnen machte sich Missmut breit und sie begannen einander „azhässälä“. Unsere Antwort darauf? Logisch wäre, dass man diese Unstimmigkeiten ausgenutzt hätte und noch etwas mehr Salz in die Wunde gestreut hätte. Was wir stattdessen taten: Nichts. Die schon leicht angepissten Walliserinnen durften nun einfach durchspazieren und knallten wütend unserer Torhüterin die Bälle um die Ohren. Wir wiederum liessen es im Angriff nun langsam, fast schon Flash-mässig (Faultier aus Zoomania), angehen. Ohne Druck und wenn mal geworfen wurde, dann auf den Goali oder aber am Tor vorbei. So schmolz der schöne Vorsprung und zur Pause stand es dann noch 20:16. Die Stimmung der Walliserinnen ging langsam „embrüüf“, unsere langsam „embri“. Auch nach der Pause und den klipp und klaren, aber motivierenden Worten der Trainer sah es nicht besser aus. Im Gegenteil: In der 40 Minuten konnten sich die Gegnerinnen sogar ein Pölsterchen von zwei Toren erspielen. Wie wir uns die Führung dann doch noch erspielten, glich einem Wunder. Denn auch die letzten 20 Minuten kann man schlechthin nicht als Handball bezeichnen. In den letzten 30 Sekunden beschlossen wir aber noch einmal aufzudrehen und schossen noch zwei Tore. So beendeten wir dieses unnötig spannende Spiel mit 35:31. Auf unser Plakat in der Garderobe konnten wir zwei Striche malen, daneben musste aber ein grosser verwirrter Smiley, dass mit drei blauen Augen davongekommen ist.

Weil wir zwei Schreiberlinge zwei anerkannte Kunst- und Hallenkritikerinnen sind und uns nun auch der professionellen Architektur zuwenden, möchten wir auch heute passenden zum Match ein bestimmtes Gebäude bzw. eine Architekturrichtung vorstellen. Haben Sie schon mal vom Dekonstruktivismus gehört? In diesen Gebäuden ist alles zerstückelt, zersplittert und eben möglichst dekonstruktiv, in etwa so wie unser Handballspiel gegen die Visperinnen. Um die gesamten 11 (!) Verbesserungspunkte auf der Liste des Trainerduos auch wirklich umsetzten zu können, müssen wir wohl in dieser Woche noch einmal hinter die Bücher bzw. hinter die Bälle. Und hoffen euch dann nächste Woche etwas vom Konstruktivismus erzählen zu können, denn unser nächstes Spiel ist schon nächsten Sonntag.

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Der heutige Matchball wurde gesponsert von Högg Liftsysteme AG aus Steffisburg. Wir danken vielmals!

Zusammenfassung

PSG Lyss vs. SG Visp-Visperterminen - 34:31 (20:16)
Lyss Grien
SR: Ryser
Strafen: 0mal 2-Minuten gegen Lyss, 3mal 2-Minuten SG Visp-Visperterminen

PSG Lyss:
Vogel (34%), Zwahlen
Seliger, Reinmann (4), Rhiner, Andres (9), Stucki (4), Gribi (7), Schüpbach, Vicha (3), Schaller (5/3), Porcar, Büeler (2)

SG Visp-Visperterminen:
Schmid (28%), Kreuzer (28%)
Oertli, Andenmatten (6), Lagger, Wasmer, Schmid (2), Burgener (8), Wagenbreth (11), Kalbermatter (4), Kreuzer

Impressionen

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